Superkunstfestival 2026

Das Superkunstfestival ist ein Wochenend-Festival in Lübeck, dessen Fokus auf Inklusion und Gleichberechtigung jeglicher Gruppierungen ist.

Das Festival findet seit 2018 jährlich (mit Ausnahme 2020 und 2021 aufgrund der Covid-Pandemie) auf dem Gelände der Diakonie mitten im Lübecker Stadtteil Sankt Lorenz Nord statt. Es gibt kein Camping, ich vermute aufgrund der fehlenden Fläche dafür, trotzdem geht es über mehrere Tage. Im Gegensatz zu den großen Mainstream-Festivals findet man hier ein breit gefächertes Publikum von jung bis alt und klein bis groß. Ich habe zum Beispiel noch nie so viele kleine Kinder bei Konzerten gesehen wie hier!

In den ersten Jahren des Superkunstfestivals hatte ich es nicht auf dem Schirm, aber seit 2023 bin ich jedes Jahr wieder gern dabei. Allein der Leitfaden ist für mich höchst unterstützenswert:

Ein Ort, der zeigt: Kultur kann Räume schaffen, in denen Menschlichkeit größer ist als menschrechtsverletzende Strömungen.

Darum denken wir laut ohne zu flüstern:

Wir glauben an Menschenrechte.

Wir glauben an Solidarität.

Wir glauben an Kultur als Brücke in eine Welt, die niemanden vergisst.

Kein Rassismus. Kein Faschismus. Keine Diskriminierung. Kein Krieg.

Quelle: superkunstfestival.de

Und dazu gibt es noch coole Musik, sehr schön!

Dieses Jahr fand das Festival vom 14. bis 16. Juni statt. Die Tickets hatte ich letztes Jahr direkt nach Vorverkaufsstart gekauft, bevor auch nur ein Programmpunkt bekannt gegeben war, aber zu meinem Glück gab es jeden Tag für mich passende Musik. Und wenn mal nichts läuft, kann man ja noch übers Gelände schlendern.

Außerdem wurde vor einem Monat angekündigt, dass das Festival „Cashless“ sein wird. Das bedeutet, dass jedes Festivalbändchen mit einem Plastikchip ausgestattet ist und dieser Chip für sämtliche Bezahlungen verwendet wird. Das kenne ich schon vom Wacken Open Air und ich halte es in Zeiten von Kreditkarten und Smartphones mit Bezahlfunktion für unnötig, aber man hat ja keine Wahl, denn es gibt so ausschließlich die Möglichkeit, per Chip zu zahlen. Bargeld oder Karten werden nicht akzeptiert.

Das Superkunstfestival-Bändchen mit Cashless-Chip.

Beim Superkunstfestival läuft das Ganze über den Dienstleister WeezEvent aus Frankreich. Das online Aufladen des Chips war nur bis einen Tag vor Eventbeginn möglich, währenddessen kann man nur vor Ort an Terminals aufladen. Das war in Wacken anders, dort konnte ich auch auf dem Festival noch schnell Geld per Handy und z.B. Paypal auf meinen Chip laden, ohne irgendwohin laufen und ggf. in einer Schlange stehen zu müssen. Vielleicht schreibe ich bei Gelegenheit noch einen separaten Beitrag zu Cashless. Nun erstmal zurück zum Superkunstfestival an sich.

Freitag

Leider war das Wetter durchwachsen, wodurch sich die Anreise per Fahrrad erstmal verzögerte, weil es noch einen dicken Regenguss gab. So erreichten wir das Gelände, als ok.danke.tschüss schon begonnen hatte. ok.danke.tschüss ist eine Indie-Band aus Mannheim, die seit 2008 aktiv ist und die ich 2024 beim Deichbrand gesehen und als coole Band in Erinnerung hatte.

ok.danke.tschüss beim Superkunstfestival 2026.

Ich war dann doch überrascht, dass sie weniger rockige Songs spielten, als ich erwartet hatte, aber es hat mir trotzdem gut gefallen. Die Sängerin Eva Sauter hat auf jeden Fall viel Energie und hat gut Stimmung gemacht.

Dann kam mein Favorit des gesamten Festivals: Deine Cousine. Die Rockmusikerin war vor kurzem im VOX-Format „Sing meinen Song“ zu sehen und hat dadurch an Bekanntheit zugelegt. Ich selbst habe sie 2021 bei Jamel rockt den Förster entdeckt und fand sie und ihre Band sofort großartig. Seitdem habe ich sie zwei Mal beim Deichbrand, Hurricane und in Wacken gesehen. Ich persönlich finde sie live so viel besser als „auf Platte“, denn da klingt sie ganz anders und meiner Meinung nach lange nicht so gut wie auf Konzerten.

Heute kam mir der Anteil derer, die Deine Cousine schon kennen, relativ gering vor, wodurch das Konzert erstmal etwas ruhiger begann, bevor es Fahrt aufnahm, als endlich alle warm und locker waren. Es gab neben den bekannten Songs auch ein paar neue Lieder, die ich noch nicht kannte.

Deine Cousine beim Superkunstfestival 2026.

Die Stimmung wurde super und ich hatte das Glück, in die erste Reihe zu kommen, ohne dass viel Gedränge war. Perfekt!

Das war schön, vielleicht muss ich doch mal zu ihrem Weihnachtsfeier-Konzert nach Hamburg.

Samstag

Und wieder begann der Tag mit Regen. Die Wolkendecke heute war noch dichter und größer, sodass es vormittags immer wieder ordentlich goss. Oh man …

Wir rafften uns trotzdem auf, denn wir wollten die Monsters of Liedermaching sehen und die spielten bereits um 13 Uhr. Wie der Name vermuten lässt, sind die Monsters of Liedermaching eine Gruppe von Liedermachern. Normalerweise sind es sechs, aber heute fehlte Rüdi. Laut setlist.fm habe ich die Monsters heute übrigens zum 13. Mal gesehen.

Leider blieb das Wetter durchwachsen und es regnete immer wieder, zum Glück aber immer nur kurz und wenig. Aber die Monsters haben trotzdem Spaß gemacht – und auch bei diesem Konzert war die erste Reihe wieder locker drin. Jawoll.

Monsters of Liedermaching beim Superkunstfestival 2026.

Danach drehten wir erstmal eine Runde übers Gelände, mittlerweile kam sogar mal die Sonne raus.

Dann ging es weiter mit Moop Mama, einer Brassband aus München, die es seit 2008 gibt. Musikalisch würde ich sie als einen Mix aus Hip Hop und Marchingband beschreiben. Auch wenn das altbacken klingen mag, machen sie richtig gut Stimmung. Ich habe sie 2018 beim allerersten Elbenwald-Festival in Luhmühlen schon einmal gesehen und sie in guter Erinnerung gehabt.

Der Mix aus Regen und Sonne setzte sich fort, aber die Stimmung blieb trotzdem gut. Warum der zweite Trompeter erst in der zweiten Hälfte dazu stieß, wird aber wohl für immer ein Rätsel bleiben. Dafür habe ich festgestellt, dass Adidas-Trainingsanzüge offensichtlich in Mode sind. 😄

Und da das Wetter weiter regnerisch bleiben sollte, haben wir auf Afrob & Ferris MC verzichtet und stattdessen ging’s nach Hause auf die Couch.

Sonntag

Der Sonntag war wettertechnisch kaum besser als die Tage davor. Es regnete zwar seltener, dafür war es sehr windig.

Für uns begann der letzte Superkunstfestivaltag mit Juli, einer Band, die wahrscheinlich viele dank des Songs „Die perfekte Welle“ aus dem Jahr 2004 kennen. Heute war es nach zwei doch recht entspannten Tagen dann doch überraschend voll. Mit so vielen Juli-Fans hatte ich nicht gerechnet, aber das Feld vor der großen Bühne war komplett voll.

Juli beim Superkunstfestival 2026.

Ich selbst habe Juli zum ersten Mal live 2023 bei Jamel rockt den Förster gesehen – auch schon wieder drei Jahre her! Heute war mir die Musik aber zu melancholisch, es waren mir zu viele Songs darüber, wie viel besser alles früher war und wie scheiße oder vorbei alles jetzt ist. Und dass die Sängerin Eva Briegel mindestens drei Songs mit „Da müsst ihr jetzt durch“ ankündigte, war auch irgendwie seltsam.

Danach wechselten wir zur FLINTA*-Stage, die bis letztes Jahr Jungle-Stage hieß, wo die Berliner Heavy-Pop-Band Baby of the Bunch auftrat. Ich hatte noch nie von der Band gehört, aber sie klang echt gut und hat mir gefallen.

Baby of the Bunch beim Superkunstfestival 2026.

Und auch ein Abstecher in die Reithalle war noch drin. Dort gab es ein Impro-Theater, das sehr unterhaltsam war.

Improvisations-Theater im Pferdestall.

Und dann war auch schon Zeit für den krönenden Abschluss des Superkunstfestivals: die Sportfreunde Stiller. Trotz Andrang schafften wir es bis in die zweite Reihe und hatten, abgesehen von Handyfilmern, wunderbare Sicht auf die Bühne. Nach einer „Intro“ des Kinderchors Tiny Wolves, der seinen Kurzauftritt bravurös meisterte, obwohl die Kinder teilweise sehr jung waren, ging es los mit den Sportfreunden.

Der Kinderchor Tiny Wolves als Vorband der Sportfreunde Stiller.

Wir hatten richtig gute Plätze und waren so ganz nah dran an einer Band, die auf der Bühne richtig Spaß hat.

Sportfreunde Stiller beim Superkunstfestival 2026.

Die gute Laune und Energie waren ansteckend und so war es ein wundervolles Konzert, das mich echt positiv überrascht hat. Ich wollte die Sportfreunde Stiller gern mal sehen, weil ich sie seit den 2000ern, also seit meiner Jugend kenne und ich ihre Lieder mag – allerdings kenne ich auch nur die Hits. Dass es dann so cool wird, dachte ich nicht. Nach der kreativen Pause der letzten Jahre, in der jeder sein Ding gemacht hat, haben die Jungs offensichtlich wieder richtig Bock!

Und für mich gab es dazu noch einen Bonus: Schon beim Aufbau fiel uns auf, dass ein Mitglied der Crew ein Blackout Problems Shirt trägt. Blackout Problems ist eine 2005 gegründete Alternative-Rock-Band aus München. Ich habe sie beim Deichbrand 2023 im Palastzelt entdeckt und mir hat ihre Musik sofort sehr gefallen. Wir waren dann 2024 bei ihrem Konzert in Hamburg und danach waren sie nochmal beim Deichbrand und ebenfalls bei Jamel rockt den Förster. Ich kann sie absolut empfehlen! Jedenfalls blieb es nicht dabei und wir entdeckten auch noch den Gitarristen Moritz Hammrich als Rowdy und dann noch den Sänger Mario Radetzky an der zweiten Gitarre mit auf der Bühne bei den Sportfreunden. Yeah! Die Sportfreunde Stiller erwähnten die Band auch direkt und bedankten sich für den Support, sie scheinen sie also dauerhaft zu begleiten. Rosenheim, die Heimat der Sportfreunde, ist ja auch nicht so weit von München weg. Ich habe mich jedenfalls total gefreut, dass Mario auch dabei war! Und für ein Lied durfte dann auch Moritz als Gitarren-Support auf die Bühne.

So wurde es ein rundum gelungenes Konzert, auch wenn das Publikum für meinen Geschmack in Teilen zu lethargisch war, obwohl die Musik eigentlich so energiegeladen und rockig war. Ein perfekter Abschluss des Superkunstfestivals, sehr schön!

An dieser Stelle eine Anmerkung: zwei Personen vor bzw. schräg neben mir haben jeden Song fast komplett mitgefilmt. Zum einen nervt es, weil man die ganze Zeit ein Handydisplay vorm Gesicht hat und dann hat mich noch total getriggert, dass meistens die Band beschnitten war und hauptsächlich Boden, Seite oder Bühnendecke gefilmt wurden. Dazu kommt, dass der Bass so laut war, dass die Tonqualität der Handyaufnahmen mit Sicherheit total übersteuert und schlecht sein wird. Ich frage mich zum einen, wer sich das überhaupt ansehen will bzw. muss, aber eigentlich ist das auch irrelevant, denn das permanente Aufnehmen nervt alle Leute dahinter immens. Vor allem, wenn man dann auch noch so eine Klapphülle hat, die die verdeckte Fläche verdoppelt. Ich mache auch ab und zu Fotos, zum Beispiel für diesen Blog oder auch wenn ich sonst gar nichts sehe, aber eben auf keinen Fall permanent. Denn es nervt. Wirklich. Also wer auch immer das hier liest: macht sowas bitte nicht. Nehmt Rücksicht auf euer Umfeld und genießt lieber das Konzert. Denn die beiden Personen haben am Ende nichtmal geklatscht, sondern sind direkt abgedampft, während die Sportfreunde sich noch verbeugten. Meine Güte.

Und bevor ich diesen Beitrag beende, fällt mir noch eine Sache zum Cashless Payment ein: es hat an sich gut funktioniert, allerdings geht das Aufladen wie erwähnt während des Festivals ausschließlich vor Ort am Automaten. Und da ich ebenfalls bereits recherchiert hatte, dass der Dienstleister WeezEvent aus Frankreich kommt, war mir schnell klar, was der Grund für die abgelehnte Kartenzahlung ist: die Abbuchung erfolgt aus Frankreich, das heißt man muss Frankreich in den Karteneinstellungen, zum Beispiel bei der DKB, freigegeben haben. Als ich das angepasst hatte, durfte ich auch Geld auf den Chip laden. Was man nicht alles wissen muss …

Automaten zum Cashless-Chip-Aufladen während des Festivals.

Und damit endet für mich das diesjährige Superkunstfestival. Das Wetter ließ echt zu wünschen übrig, aber für mich hat es sich trotzdem jeden Tag gelohnt und es hat Spaß gemacht. Danke an alle, die das Festival ermöglichen und auch an alle, die es so inklusiv wie möglich gestalten. Es war mein erstes Festival mit Urinalen für Frauen und dass Cola usw. 3 € und Bier 4 € kosten, war ebenfalls wirklich fair. Nächstes Mal bin ich auf jeden Fall wieder dabei, wenn nichts dazwischen kommt.

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