Ein holpriger Start mt Rouvy

Nachdem ich letzten Monat myWhoosh als Zwift-Alternative ausprobiert hatte, habe ich einen Kommentar auf Mastodon bekommen, der mich zum Nachdenken brachte. Zum einen ist das virtuelle Radeln in myWhoosh komplett gratis, wobei man Echtgeld für sogenannte „Cosmetics“ wie Kleidung des Avatars oder ein schöneres Fahrrad ausgeben kann. Die Praxis ist im Gaming-Bereich ziemlich verbreitet, wobei es bei myWhoosh, soweit ich das überblicken kann, kein „pay to win“ gibt. Es gibt kostenlose Spiele, die sich mit In-Game-Bezahlinhalten über Wasser halten, aber ob das bei myWhoosh der Fall ist oder myWhoosh am Ende doch Geld mit dem Verkauf von Aktivitäts- und somit irgendwo auch Gesundheitsdaten der Nutzerinnen und Nutzer verdient, ist für mich aktuell eine offene Frage.

Dazu kommt, dass hinter myWhoosh ein Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ist und es durchaus berechtigt ist, sich zu fragen, ob man eine Plattform aus einem Land, das Menschenrechte mit Füßen tritt und Frauen erheblich benachteiligt, unterstützen möchte?

Ich bin da ehrlich gesagt hin- und hergerissen. Einerseits verstehe ich die Kritik und denke nach, andererseits bin ich aufgrund von so vielen abgefuckten Dingen, die in der Welt passieren, so frustriert und lethargisch, dass ich teilweise das Gefühl habe, dass meine Entscheidung sowieso nichts verändert. Aber so will ich eigentlich nicht denken, denn jede Entscheidung von jeder und jedem Einzelnen von uns ist relevant.

Und so habe ich heute, als das Wetter zu schlecht für den geplanten Longrun war, beschlossen, mal Rouvy auszuprobieren. Grundsätzlich ist Rouvy dasselbe wie Zwift und myWhoosh: eine virtuelle Trainingsplattform mit Gamification-Elementen. Während man in Zwift in Fantasiewelten wie Watopia oder einer futuristischen Version von New York City fährt und myWhoosh zwar etwas realistischer, aber relativ detailarm aussieht, fährt man in Rouvy auf realistischen Strecken. Es sieht in etwa aus wie Google StreetView als Video.

Beim Einrichten fiel mir sofort ein Unterschied auf: bei Zwift und myWhoosh muss man sich die Regionspakete runterladen, bevor man sie fahren kann. Bei Rouvy kann man sofort loslegen, die Inhalte werden wie bei Youtube und Co. während der Fahrt gebuffert.

Los ging’s für mich mit der Tutorial-Fahrt, die mir zeigte, was es alles für Schaltflächen gibt und was die anderen virtuellen Fahrer um mich rum so machen. So kann man sich Ghost-Riders aktivieren, die einen auf der Fahrt begleiten. Ich vermute auch, um Partner fürs Windschattenfahren zu haben, das die Fahrt wirklich vereinfachen soll. Ich fand beim Tutorial befremdlich, dass viele Dinge erstmal gesperrt waren. Zum einen durfte ich nicht ins Menü, aber ich durfte auch nicht schalten. Was soll das denn?

Kurzer Einschub: Zwift hat Rouvy im April 2026 gekauft, will aber beide Plattformen individuell weiter laufen lassen. Ein Vorteil ist allerdings, dass Rouvy seitdem kompatibel mit meinem Zwift Bike ist und ich somit genau wie in Zwift direkt am Lenkrad schalten kann, statt auf dem Display rumzutippen (wie bei myWhoosh).

Danach wählte ich eine 18-Kilometer-Strecke entlang der norwegischen Atlantikküste aus und ich gebe zu, das sieht wirklich klasse aus. Optisch ist es schon ein deutlicher Unterschied zu Zwift und vor allem dem simpel gehaltenen myWhoosh. Man fühlt sich wirklich ein bisschen, als würde man durch Norwegen radeln. Sehr hübsch!

Ausblick auf der Atlantic Rosd in Rouvy.

Allerdings lernte ich auch schnell, dass das Vorladen der Regionen Vorteil hat, denn ich hatte während der Fahrt mehrfach Ladekreise und „Connection lost“-Einblendungen, obwohl meine Internetverbindung eigentlich stabil ist. Tja und das führte vermutlich auch dazu, dass sich die Anwendung verschluckte, denn nach einer solchen Meldung konnte ich nicht mehr schalten. Genauer gesagt konnte ich zwar am Lenkrad und auch auf dem Display-Buttons die Gangwahl ändern, aber am Kicker passierte einfach gar nichts. So war ich irgendwo in einem ziemlich niedrigen Gang, weil das während eines leichten Anstiegs passierte, aber Pausieren und im Menü klicken half nichts. Schön, dann fahre ich halt die restlichen 8 Kilometer so… das war ganz schön mühsam und vor allem bergab recht nervig, weil ich komplett ins Leere tritt, aber ich habe die Route beendet.

Meldung über angebliche Verbindungsprobleme während meiner Rouvy-Fahrt.

Das war eine ganz schön frustrierend Erfahrung, denn sowas ist mir weder bei Zwift noch bei myWhoosh jemals passiert. Nächstes Mal breche ich die Route wohl lieber ab, denn das war echt nicht schön. Falls jemand einen Tipp hat, wie ich die Situation in Zukunft vermeiden oder den Fehler beheben kann, meldet euch gerne.

Na, ab wann hatte ich wohl keine Gangschaltung mehr?

Ich habe ja noch ein paar Tage zum Testen und werde das weiter beobachten. Sollte das nochmal vorkommen, sieht es für Rouvy aber ehrlich gesagt eher schlecht aus. Mit der Internetverbindung habe ich beim Zocken auch keine Probleme, daran sollte es eigentlich nicht scheitern. Und da Rouvy nach der Testphase auch rund 20 € im Monat kostet, sollte sowas eigentlich nicht passieren.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert