Campus Open Air Lübeck 2026

Seit ein paar Jahren findet auf dem Platz zwischen Audimax und Mensa der Universität zu Lübeck das Campus Open Air Lübeck, kurz COAL statt. Dieses Jahr kannte ich keinen einzigen Act aus dem Line-Up, aber so ein Festival ist ja auch dazu da, neue Musik zu entdecken.

In Vorbereitung habe ich mir die COAL-Spotify-Playlist angehört und konnte dadurch grob abschätzen, was mir wahrscheinlich gefällt.

Meine Überraschungsentdeckung war die Lübecker Rockband Quiet Girl, die 2025 einen Preis bei einem Bundeswettbewerb gewonnen hat. Bewusst haben sie keine Musik auf Spotify veröffentlicht, sondern sind stattdessen auf Bandcamp unterwegs. So sind sie nicht Teil der Spotify-Playlist und man muss extra nach ihnen suchen. Dafür gefiel mir die Musik umso besser. Auch live haben sie auf der kleinen Side Stage vor der Mensa gute Stimmung verbreitet, wobei es weniger „metallig“ klang, als ich durchs Hören des Albums auf Bandcamp gedacht hätte.

Quiet Girl auf dem COAL 2026.

Leider überlappte sich der Slot von Quiet Girl mit Pentastone auf der Main Stage, die mit Alternative Metal ähnliche Musik machen. Die Band Pentastone kommt aus Darmstadt und hat 2021 ihr erstes Album veröffentlicht. Die Musik hat mir richtig gut gefallen, schöner Metal mit etwas Growlgesang, aber nicht zu viel. Außerdem setzt sich die Band für Achtsamkeit, Hoffnung und Mut ein und hat ein Lied mit dem Mitsing-Refrain „Shame must switch side“ mit Bezug auf Gisele Pericot geschrieben. Sehr cool! Leider war es vor der Bühne am frühen Abend noch nicht allzu voll, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch – und über genug Platz will ich mich auch nicht beschweren.

Pentastone auf dem COAL 2026.

Danach schauten wir noch bei Tilly Pantha vorbei, eine Musikerin aus Hamburg, die feministische Musik zwischen Pop, Rock und Rap macht. Es war vor der Side-Stage-Bühne schon deutlich voller als bei Quiet Girl, aber mich persönlich hat die Musik nicht wirklich abgeholt.

Tilly Pantha auf dem COAL 2026.

Und dann begann es erstmal, zu regnen. Da es mit 26 °C schon sommerlich warm war, war es ein richtig schöner Sommerregen.

Das Campus Open Air in Lübeck ist laut Webseite eins der größten in Schleswig-Holstein – was genau das einschließt, steht nicht dabei. Allein Wacken, Plage Noir und Baltic Open Air sollten deutlich größer sein. Jedenfalls war rund ums Festival eine Menge los. Der Carlebach-Park war mit Sandsäcken abgesperrt, es wurden jede Menge Dixi-Klos und Mülleimer aufgestellt und für nachts gab es sogar Flutlicht im Park. Dass das notwendig ist, sieht man auf den ersten Blick: Vor lauter Menschen kann man kaum den Rasen sehen.

Für mich hieß es dann Abflug, denn ich bin alt und langweilig und entschied mich fürs Fitti statt fürs Bier, da mich die späteren Acts nicht so ansprachen.

Christian blieb noch für Schütze, eine Rockband aus Schwerin. Musikalisch klingt sie ähnlich zu Kraftklub und hat dadurch durchaus Potenzial, allerdings waren die Ansagen fragwürdig. Es ging damit los, dass der Sänger einen angeblichen Bundeswehrstand auf dem Festivalgelände stark kritisiert hat, obwohl dieser Stand ziemlich sicher gar nicht existiert. Wir sind mehrfach übers Gelände gelaufen und Christian hat sich nochmal auf die Suche begeben, keine Spur von der Bundeswehr. Als der nächste Song dann mit Parolen gegen die Polizei angekündigt wurde, hat es Christian dann endgültig gereicht.

Schütze auf dem COAL 2026. Foto von Christian.

Da hilft die an sich ganz gut klingende Musik auch nicht … ob wir noch erfahren werden, was der Bundeswehrstand gewesen sein soll? Vielleicht versteckte er sich zwischen Kinderschminken, Streetworkern, Cleverfit und der TK.

Auf Schütze folgte Paulinko, eine Popband aus Rathingen. Christian war es zu poppig, aber vor der Bühne war es mittlerweile gut gefüllt. Die Band hat als eine von zwei Bands des COAL 2026 einen Wikipedia-Artikel, scheint also ziemlich bekannt zu sein.

Alles in allem war das COAL 2026 ein entspanntes und abwechslungsreiches Eintagesfestival direkt vor der Haustür. Schade, dass es dieses Jahr keinen bekannten Main Act gab und mal schauen, wen es nächstes Jahr nach Lübeck verschlagen wird.

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