Als ich letzte Woche zugegebenermaßen mal wieder auf Instagram vor mich hin doomscrollte, stieß ich auf einen neuen Beitrag von we.run.hamburg, dem Account der Marathon Hamburg Veranstaltungs GmbH, die viele Laufevents in Hamburg organisiert. Dort wurde ein Halbmarathon ausschließlich für Frauen in Hamburg angekündigt, laut Beschreibung soll dies in Europa einzigartig sein. Das Wettkampfdatum ist der 22. August 2027 und die Strecke wird entlang von Reeperbahn, Hafen-City und Alster führen.

Als ich die Ankündigung las, begann ich zu grübeln. Ich war vor einigen Jahren für einige Zeit Botschafterin für den MeinFrauenlauf, denn mir gefällt das Konzept der Laufevents ausschließlich für Frauen sehr. Damals gab es virtuelle MeinFrauenlauf-Events, an denen ich teilnahm und die mir viel Spaß gemacht haben. Inzwischen gibt es leider nur noch Vor-Ort-Events in der Alpenregion, sodass der Aufwand für mich zu groß und die Anreise zu weit sind, um weiter mitmachen zu können.
Zurück zum Thema Frauenlauf: Ja, auch Läufe für alle sind etwas Schönes, aber Frauenläufe haben nach meiner Wahrnehmung eine merklich andere Stimmung: Ich empfinde sie als lockerer, entspannter und positiver. Vor allem habe ich den Eindruck, dass sich bei solchen Events auch die Frauen an die Startlinie trauen, die eher langsamer unterwegs sind, aber trotzdem auch mal einen Wettkampf erleben und sich eine Medaille verdienen möchten. Und weil ich genau deshalb selbst auch an Laufevents teilnehme, finde ich solche Events unterstützenswert. Natürlich kann man auch Frauen ermutigen, an normalen Laufwettkämpfen teilzunehmen, aber ich selbst habe auch schon erlebt, dass die Party schon vorbei war, als ich über die Ziellinie gelaufen kam, dass ich durchaus verstehen kann, wenn man sich diese Schmach nicht geben möchte. Und nein, ich kam nicht kurz vor dem Besenwagen durchs Ziel, aber eben auch nicht in Spitzensportlerzeit.
Der Women’s Half in Hamburg hat eine Schlusszeit von 3 Stunden. Für einen Halbmarathon halte ich das für eine durchaus faire Zeit, bei der es auch langsamere Teilnehmerinnen mit Gehpausen ins Ziel schaffen sollten. Allerdings habe ich in den Kommentarspalten auch schon gelesen, dass dies für Menschen mit Vorerkrankungen vielleicht trotzdem knapp werden könnte (Das Beispiel war eine MS-Erkrankung). Ich gehe davon aus, die Veranstalter haben hinsichtlich Zeitlimit schon getan, was im Rahmen des Möglichen war, denn schließlich wird für den Lauf die Hamburger Innenstadt abgesperrt und was das pro Stunde mit allem Drum und Dran kostet, kann man sich als Privatperson vermutlich gar nicht vorstellen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist das Datum: Mitte August kann es in Hamburg ganz schön heiß sein. Das zeigte sich jüngst beim Hella Hamburg Halbmarathon, der aufgrund der hohen Temperaturen vom 28. Juni auf den 25. Oktober 2026 verschoben worden ist. Andererseits kann ein Sommer in Norddeutschland auch ganz schön frisch sein, daher ist das für mich kein Argument. Am Ende ist das Wetter bei Wettkämpfen immer Glücksspiel.
Mich jedenfalls hat die Ankündigung auf genau dem richtigen Fuß erwischt, denn, wie erwähnt, begann ich direkt zu grübeln. Aktuell würde ich den Halbmarathon konditionell nicht schaffen, aber man braucht ja Ziele und August 2027 ist ja noch 10 Monate hin. So wäre das eine gute Motivation für mich, meinen Laufplan – vor allem jetzt im dunklen, kalten Winter – durchzuziehen und mein langfristiges Ziel, wieder einen Halbmarathon zu laufen, absolut unterstützen.
So habe ich mich nach kurzem Hin und Her doch direkt am Abend des Anmeldestarts für den Women’s Half Hamburg 2027 angemeldet. Die 50 € Startgebühr in der ersten Preisstufe sind schon nicht wenig, aber so ist das für mich noch eine weitere Motivation, dranzubleiben und das Training nicht schleifen zu lassen.
In den folgenden Tagen war ich dann überrascht, was für Wellen dieser Lauf in den Medien geschlagen hat: Von Runner’s World bis Sportstudio berichteten diverse große Social-Media-Kanäle über den Halbmarathon nur für Frauen. Es scheint also tatsächlich ein ganz besonderes Laufevent zu sein.

Außerdem wurden innerhalb von 5 Tagen die 4.000 Anmeldungen geknackt, wow! Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt und vor allem interessiert, wie die genaue Strecke aussehen wird.
Tja, und so schnell und unverhofft habe ich eine Motivation gefunden, um im Winter im Training zu bleiben. 😄
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