Seit 2008 findet in Lübeck jährlich im Oktober der „Stadtwerke Lübeck Marathon“ statt. Start und Ziel befinden sich auf der Lübecker Altstadtinsel und die Strecke führt einmal bis nach Travemünde und zurück. Neben dem vollen Marathon mit 42,195 km gibt es noch die Halbmarathon-Distanz sowie einen 10-km-Volkslauf, einen 4,2-km-Familienlauf. Außerdem kann man den Marathon als 2er- oder 10er-Staffel laufen.

Für mich liegt dieses Laufevent ja sozusagen vor meiner Haustür. Ende 2019 bin ich meine ersten 10-km-Wettkämpfe gelaufen und pandemiebedingt hatte ich 2020 viel mehr Zeit fürs Lauftraining, sodass ich mich motiviert genug fühlte, die Halbmarathon-Distanz schaffen zu wollen. September 2020 entschied ich mich spontan, mich für den Lübecker Halbmarathon anzumelden. Durch Covid wurde der 13. Stadtwerke Lübeck Marathon dann nicht vor Ort, sondern erstmalig virtuell durchgeführt. Das bedeutet, dass jeder Teilnehmer die Strecke an einem Ort seiner Wahl ablaufen kann und der Lauf getrackt und digital übermittelt wird, was durch Lauf-Uhren und -Apps einfach möglich ist.
Der Lübecker Halbmarathon sollte mein allererster Halbmarathon sein und am Ende war er aus persönlichen Gründen für mich Therapie. Kopf aus, laufen und die 21,1 km einfach nur schaffen. Das gelang mir in 2:49:38 Stunden und mein Foto meines Laufs wurde sogar mit aufs Poster gedruckt, das es im Anschluss an die virtuelle Veranstaltung zusammen mit Medaille und Urkunde gab.



Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, meldete ich mich im April 2021 erneut für den Halbmarathon in Lübeck an. Am 24. Oktober 2021 fand der 14. Stadtwerke Lübeck Marathon wieder vor Ort statt. Ich selbst hatte in der Zwischenzeit weiter trainiert und erfolgreich am Insellauf-Halbmarathon und dem PSD Bank Halbmarathon in Hamburg teilgenommen – letzterer war übrigens eine Woche vor dem Lübecker Halbmarathon!
Um das zu erklären, muss ich ein wenig ausholen: Ich hatte mich längst für den Lübecker Halbmarathon angemeldet, als ich im Juni 2021 beim virtuellen Hamburg-10k-Lauf teilgenommen habe. Unter allen Teilnehmern dieses Laufs wurde im Anschluss ein Startplatz für den PSD Bank Halbmarathon in Hamburg am 17. Oktober 2021 verlost und ich gehörte zu den glücklichen Gewinnern. Ich habe mich sehr gefreut, aber eine ganze Weile mit mir gehadert, da ich somit zwei Halbmarathons an zwei Sonntagen hintereinander laufen würde. Am Ende löste ich meinen Gewinn ein und finishte den 7. PSD Bank Halbmarathon in 2:25:32 Stunden. Durch mein Training war ich ganz gut in Form, aber trotzdem schlauchten mich die 21,1 km im Wettkampf, sodass ich nicht sicher war, ob es in Lübeck nur 7 Tage später genau so gut laufen würde.
Aber die Angst stellte sich als unbegründet heraus, denn auch der 14. Stadtwerke Lübeck Marathon lief sehr gut für mich und ich kam in 2:21:06 Stunden ins Ziel. Ich war damit fast eine halbe Stunde schneller als bei meinem allerersten Halbmarathon ein Jahr zuvor, unterbot sogar meine PSD-Bank-Halbmarathon-Zeit von vor einer Woche um 4 Minuten und erzielte somit in Lübeck meine neue persönliche Bestzeit! Jawoll!


Mein nächstes Ziel war somit klar: In Lübeck im Jahr 2022 die Bestzeit erneut knacken! Leider hat mich dann meine an sich mild verlaufene Covid-Infektion konditionell so sehr aus der Bahn geworfen, dass ich Ende August nach dem für mich sehr herausfordernden Möllner City-Lauf noch stark daran zweifelte, im Oktober überhaupt 21,1 km zu schaffen.
Doch der September war für mich ein Monat der Lichtblicke. Die Kondition kehrte langsam zurück und Stück für Stück schaffte ich im Lauftraining auch längere Distanzen. Nachdem ich den Köhlbrandbrückenlauf erfolgreich überstanden hatte, absolvierte ich einen 2-Stunden-Trainingslauf. Zwar schaffte ich in der Zeit statt der üblichen 16 bis 17 Kilometer lediglich 14, aber es ging mir gut und so beschloss ich, beim Halbmarathon des 15. Stadtwerke Lübeck Marathon am 23. Oktober 2022 anzutreten.
Im Vergleich zum Vorjahr war im Startbereich viel mehr los, außerdem war das Wetter mit Sonnenschein und 12 bis 14 °C wirklich schön. Langärmlig zu laufen sollte sich als Fehler herausstellen, aber ich konnte die Jacke zum Glück ausziehen. Der Startschuss fiel um 11 Uhr und über eine leicht geänderte Strecke aufgrund einer Baustelle in der Breiten Straße ging es über die Königsstraße Richtung Norden. Ich hatte in der Tapering-Woche wirklich ruhig gemacht, dennoch lief es von Anfang an nicht ganz flockig. Wie für mich üblich lief ich den ersten Kilometer unter meiner Zielpace, aber ich lasse mich doch lieber in der Masse mitziehen, solange mein Puls noch niedrig ist, statt mich direkt nach hinten zurück fallen zu lassen. Die Kilometer waren anstrengend, aber 13 Wochen nach meiner Covid-Infektion fühlten sie sich zumindest nicht mehr an wie ein Vielfaches. Der Weg zum Herrentunnel war trotzdem lang, dafür war die Senke eine Wohltat und ich ließ sozusagen einfach laufen – meine Uhr zeigte eine Pace von bis zu 4:50 min/km an, wobei man der unter der Trave ohne echten GPS-Empfang wohl nur bedingt Glauben schenken darf 😉 Den darauffolgenden Anstieg verkraftete ich auch gut und nach 1:15:34 Stunden erreichte ich den Wendepunkt. Kurze Zeit später hieß es wieder bergab und bergauf im Tunnel, was sich doch anstrengender anfühlte als beim ersten Mal. Bei Kilometer 16 begann dann allerdings mein rechtes Bein zu ziehen. Ich konnte nicht genau definieren, wo genau das Ziehen herkam, irgendwo aus dem Bereich Knie, aber nicht direkt mit weiterem Verlauf ins Schienbein. Wie auch immer, es wurde nicht schlimmer, allerdings auch nicht besser, was dazu führte, dass ich lieber etwas Tempo raus nahm und zügig, aber bedacht die restlichen 5 Kilometer absolvierte. Ich bin froh, dass sich daraus keine Schmerzen entwickelt haben und da Gesundheit immer vor geht, bin ich um die verlorenen Sekunden bis Minuten auch nicht traurig.
Vielmehr bin ich sehr glücklich, nach 2:34:53 Stunden das Ziel erreicht zu haben, denn zuvor hatte ich noch mit einer Zielzeit von rund 3 Stunden gerechnet, basierend auf dem Trainings-Longrun zwei Wochen zuvor.

Dieser Halbmarathon war für mich wirklich anstrengend, aber ich freue mich sehr, trotz aller Zweifel doch teilgenommen und es geschafft zu haben. Die Medaille für dieses Jahr habe ich mir wirklich verdient und sie wird hier einen Ehrenplatz bekommen, denn sie bedeutet für mich auch, dass man auch in schlechten Zeiten das Laufen nicht an den Nagel hängen, sondern dran bleiben sollte.



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