Seit einigen Jahren ist der 3. Oktober neben dem Tag der deutschen Einheit auch ein ganz besonderer Tag für Läufer, denn an diesem Tag findet der Köhlbrandbrückenlauf statt. Die Köhlbrandbrücke ist eine Schrägseilbrücke im Hamburger Hafen, die einen Seitenarm der Süderelbe überspannt und dabei mit einer Steigung von bis zu 4 % 53 Meter lichte Höhe erreicht.

Das besondere an diesem Lauf ist, dass die Köhlbrandbrücke eigentlich ausschließlich für Fahrzeuge freigegeben ist. Fahrradfahrer und Fußgänger dürfen sie normalerweise nicht betreten, aber am 3. Oktober gibt es für den Köhlbrandbrückenlauf eine Ausnahmegenehmigung. Außerdem ist die Steigung für Norddeutsche wie mich durchaus eine Herausforderung, die man in der Umgebung sonst kaum findet 😀

Ich selbst hatte mich Dezember 2019 für meinen ersten Köhlbrandbrückenlauf am 3. Oktober 2020 angemeldet. Dann begann die Pandemie und auch der Köhlbrandbrückenlauf wurde stark reduziert. Damals wurden alle Teilnehmer in Stundenslots aufgeteilt und stündlich fiel ein Startschuss, um Ansammlungen zu vermeiden. Dann kamen wir auch noch eine Viertelstunde zu spät an und legten einen fliegenden Start hin. Es gab kein Drumrumprogramm, sondern einfach nur den Lauf und trotzdem hat mir die Strecke so gut gefallen, dass ich mich direkt für den Köhlbrandbrückenlauf 2021 angemeldet hatte.
Letztes Jahr fanden die Läufe wie vorher auch üblich wahlweise mit Startschuss um 9 Uhr, 12 Uhr oder 15 Uhr statt – allerdings sorgten Bauarbeiten dafür, dass der Lauf nicht am 3. Oktober, sondern ersatzweise am 19. Dezember 2021 stattfand. Das war ganz schön kühl, die 10 Minuten vom Jacke abgeben bis zum Start fühlten sich an wie eine Ewigkeit, aber auch das hielt mich nicht ab.


Natürlich wollte ich auch dieses Jahr wieder laufen und meldete mich direkt im Dezember letzten Jahres für den 12-Uhr-Start an. Der Termin rückte näher und durch meine Covid-Infektion im Juli und meinen Konditionsverlust war der Köhlbrandbrückenlauf für mich dieses Jahr keine Routine, sondern eine besondere Herausforderung. Es waren, wie beim Möllner Citylauf, wieder 12 Kilometer, aber es gibt eine nicht zu vernachlässigende Steigung und einen Besenwagen nach 1:45 Stunden, da die Strecke zwischen den Läufen für den Verkehr freigegeben werden muss.
Ich habe zwischendurch wirklich überlegt, ob ich dieses Jahr starten will, aber entschied mich schlussendlich, es zumindest zu versuchen. Mehr als vom Besenwagen einsammeln lassen konnte ja nicht passieren 😉 Und so ging es am 3. Oktober, einem Feiertags-Montag, nach Hamburg. Ich war überrascht, wie viel dieses Jahr um die Startlinie herum los war. Es gab diverse Buden und Stände mit allerlei Dingen: Von Backwaren, Bratwurst und Kaffee über das Hamburger Hafenmuseum bis zu Laufkleidungspavillons war alles dabei. So viel Trubel war völlig neu für mich, hatte ich ja während der Pandemie zwei Mal an diesem Lauf teilgenommen und dabei nicht mal eine Umkleide zur Verfügung gehabt. Dementsprechend gefüllt war es auch, denn dieses Jahr waren neben den Läufern auch viele andere Menschen zum Anfeuern dabei.
Das Wetter war nicht mehr sommerlich, aber im Vergleich zum Vorjahr fror ich mir ohne Jacke wenigstens nicht die Finger ab. Außerdem war ich froh, dass sich der angesagte Regen für unsere Startzeit um 12 Uhr doch etwas relativiert hatte. Es war wolkig, aber trocken und nicht allzu windig. Gute Laufbedingungen also! Der Startschuss fiel und eine Menge Läufer setzte sich in Bewegung. Die ersten Kilometer waren locker-flockig, die erste kleine Steigung über eine kleinere Straßenbrücke hinweg fiel mir gar nicht wirklich auf und dann folgte die lange Gerade mit der auffälligen Köhlbrandbrücke genau voraus. Als die Steigung begann, lief es für mich weiterhin relativ locker. Ich war wie erwartet deutlich langsamer als im Vorjahr und mein Puls war dauerhaft im roten Bereich, aber es lief von meinem persönlichen Gefühl her trotzdem gut.
Am Wendepunkt nach 6 Kilometern gab es dann Wasser oder isotonische Getränke und hier muss ich die Organisation loben: Die Mehrwegbecher finde ich klasse! Das sollte die Müllberge nach dem Laufevent deutlich verringern und ich hatte auch das Gefühl, dass die Becher eher in den Sammelbehältern landen als die Einwegplastikbecher bei anderen Events, die gehäuft am Straßenrand zu finden sind. Für die erste Hälfte hatte ich 42:08 Minuten gebraucht und damit war ich zufrieden. Der 1:45:00-Besenwagen war also weit entfernt und ich war motiviert, das Ziel gesund und munter zu erreichen.
Auf dem Rückweg gab es dann doch noch einen Nieselschauer, der aber nicht wirklich unangenehm war. Mein Puls von über 170 und ich waren vielmehr froh über eine kleine Erfrischung! Am Ende erreichte ich in 1:27:34 Stunden die Ziellinie. Der Lauf war für mich durchaus anstrengend und ich war froh, im Ziel zu sein, aber es hat Spaß gemacht!

Gute 5 Minuten fehlten mir zu meiner Zeit aus 2021, aber unter Berücksichtigung meiner Covid-Infektion und nach dem für mich wirklich sehr anstrengenden 12-Kilometer-Citylauf in Mölln vor ein paar Wochen, bei dem ich zeitweise gehen musste, bin ich sehr zufrieden. Es scheint wirklich, als würde das Training so langsam wieder Wirkung zeigen und es wird langsam besser, aber zu meiner alten Form ist es noch ein langer Weg.
Allerdings schmeckten das frische, warme Franzbrötchen und das Zitronen-Radler im Ziel umso besser, denn ich habe mich trotz Zweifel getraut und bin stolz, den Lauf geschafft zu haben. Nächstes Jahr bin ich auf jeden Fall wieder dabei und dann hoffentlich mit einer neuen persönlichen Bestzeit!
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