Ein paar Gedanken zum Musikstreaming

Ich bin aktuell mal wieder über das Thema Musikstreaming gestolpert.

Der Hintergrund ist die Diskussion um die Vergütung der Musikschaffenden, die beim Marktführer Spotify im Schnitt zwischen 0,0018 und 0,0037 € pro Stream liegt, obwohl der Umsatz aus Streaming in der Musikbranche mittlerweile höher sein soll als der Umsatz aus physischen Datenträgern und Konzerten zusammen!

Wer sich bisher nicht mit dem Thema befasst hat: Einen guten Einblick bietet der Artikel „Welcher Musikstreaming-Dienst hat die beste Vergütung?“ von STEREO.

Meine bisherige Quintessenz, um Musikschaffende zu unterstützen: Geht auf Konzerte und kauft dort am besten noch Merch direkt am Stand.

Aber kann ich nicht auch meinen Umgang mit dem Hören von Musik verbessern? Will ich 17,99 € monatlich an Spotify abdrücken, obwohl eine Band gerade mal ~2 Cent bekommt, wenn ich einen Song 10x angehört habe? Oder wäre es besser, stattdessen Alben zu kaufen?

Ich tendiere immer mehr zum zweiten Ansatz. Zum einen weil ich damit Musikschaffende direkter unterstütze und zum anderen, weil mir dieser Wandel hin zum Abonnieren von allem Möglichen nicht gefällt. Früher habe ich eine CD gekauft und sie besessen, viele dieser Exemplare sind auch heute noch in meinem Besitz. Heute habe ich ein Streaming-Abo und wenn ich das kündige, habe ich zwar rückblickend eine Menge Geld bezahlt, aber mir wird nichts davon bleiben. Man kauft mit solchen Abonnements nun mal keine Dinge mehr, sondern nur noch eine Nutzungs-Erlaubnis für den Zeitraum des Abos.

Ja, es ist vielleicht komfortabel, keinen Platz für CDs oder Vinyls zu benötigen und immer Zugriff auf Millionen von Songs zu haben, aber auf der anderen Seite entscheidet der Streaming-Anbieter, was im Angebot ist und was nicht. Zum Beispiel gibt es Ärzte-Songs erst seit 2018 bei Spotify und ich habe selbst Playlists, in denen einige Songs nicht mehr abspielbar sind. Der Grund dafür sind individuelle Verhandlungen und Verträge mit Artists, Labels oder wer weiß wem, die ausgelaufen sind. Ich habe also ein laufendes Abo, aber kann die Songs, die ich mal hören durfte, nicht mehr anhören.

Aber wie würde so ein Umstieg aussehen? Wenn man ausschließlich auf bessere Bezahlung von Musikschaffenden fokussiert ist, ist vielleicht ein Umstieg weg von Spotify auf eine andere Plattform wie zum Beispiel Tidal eine Überlegung wert. Aber ich sehe für mich persönlich dann immer noch das „nutzen statt besitzen“-Problem.

Es gibt Plattformen, bei denen man Musik digital kaufen und herunterladen kann. Damit meine ich DRM-freie Musikdateien, die man auch außerhalb der Plattform verwenden kann, also nicht sowas wie „Offline verfügbar machen“ von Spotify, sondern zum Beispiel MP3 oder WAV.

Digitale Musik kaufen kann man auf großen Plattformen wie Amazon Music oder im iTunes Store, deutlich besser soll die Bezahlung aber bei Bandcamp sein. Bandcamp ist eine Plattform, bei der Künstlerinnen und Künstler ihre Songs und Alben direkt, also ohne Zwischenhändler, verkaufen.

Zudem gibt es noch die Plattform Qobuz, die sowohl ein Streaming-Abonnement als auch einen Shop zum Kaufen von digitaler Musik anbietet. Die Abos sind etwas teurer als beim Platzhirsch Spotify, man kann aber bei jährlicher Zahlung etwas sparen und beim teureren „Sublime“-Abo gibt’s Rabatte auf Käufe. Außerdem zahlt Qobuz mit 0,018 € pro Stream immerhin das Zehnfache von Spotify aus und soll die beste Soundqualität haben.

Ich habe spaßeshalber mal drei Alben rausgepickt und die Kaufpreise verglichen, hier das Ergebnis:

Linkin Park – From Zero (2025)

StandardDeluxe Edition
Amazon Music7,99 €10,99 €
Bandcampnicht verfügbarnicht verfügbar
Qobuz11,49 €
Hi-Res: 13,29 € (8,89 € inkl. Sublime-Rabatt)
15,79 €
Hi-Res: 18,19 € (12,09 € inkl. Sublime-Rabatt)

Kochkraft durch KMA – Hardcore never dies das (2025)

Standard Edition
Amazon Music9,99 €
Bandcamp12,00 €
Qobuz14,69 €
Hi-Res: 16,89 € (11,29 € inkl. Sublime-Rabatt)

Amaranthe – Manifest (2020)

StandardBonus Version
Amazon Music9,99 €9,99 €
Bandcampnicht verfügbarnicht verfügbar
Qobuz11,09 €
Hi-Res: 13,79 € (9,19 € inkl. Sublime-Rabatt)
11,09 €
Hi-Res: 13,79 € (9,19 € inkl. Sublime-Rabatt)

Es sieht so aus, als seien vor allem bekanntere Bands nicht bei Bandcamp verfügbar, dafür aber immerhin bei Qobuz und nicht nur bei Amazon Music. Außerdem ist Amazon Music durchweg der günstigste Anbieter.

Qobuz hat für 2024 die durchschnittliche Vergütung pro Stream offengelegt und dort auch beschrieben, dass sie die branchenüblichen ~70 % an die Rechteinhaber auszahlen. Wie viel davon an die Künstlerinnen und Künstler gibt, kann man daraus nicht ableiten. Da dies aber zwischen Label und Künstlerinnen und Künstlern stattfindet, macht es keinen Unterschied, ob man Musik bei Amazon Music oder Qobuz kauft. Daraus folgt für mich, dass sich der höhere Download-Preis von Qobuz nur rechtfertigen lässt, wenn man Wert auf hohe Qualität legt – oder auch, wenn man beispielsweise Amazon nicht noch mehr Geld in den Rachen werfen will, aber das ist ein anderes Thema.

Wenn ich nun also statt Streaming-Abonnement den Weg zurück zu MP3s einschlage, wie würde ich dann meine Musik hören?

Die Lösung wäre ein eigener Streaming-Server, mit dem ich am Ende von überall aus via Web UI oder App auf meine Musikbibliothek zugreifen kann. Ich habe noch nicht viel dazu recherchiert, aber Navidrome scheint auf den ersten Blick ein guter Kandidat zu sein und hört sich vielversprechend an.

Da die Arbeitsspeicherpreise durch die Decke gehen, hat dieses Nebenprojekt erstmal keine Eile, denn der Server, auf dem mein Streamingdienst laufen würde, existiert noch nicht. Aber so habe ich mir schon mal einen Überblick verschafft und weiß, dass es durchaus Alternativen zu Spotify und co. gibt und wie ich diese umsetzen könnte.

Falls jemand ähnliche Gedanken hat oder sogar schon weiter ist als ich: Immer her damit, ich bin offen für Ideen und Anregungen!

Kommentare

4 Antworten zu „Ein paar Gedanken zum Musikstreaming“

  1. Avatar von Sascha
    Sascha

    Hey Liz,
    Danke für diesen Artikel. Seit der letzten Preiserhöhung von Spotify, meinem Weggang von Apple und der Entwicklung, dass unsere Jüngste sich zu Weihnachten einen Plattenspieler gewünscht hat und seither eine Vinylplatte nach der anderen hier anschleppt, habe ich mir darüber auch schon Gedanken gemacht.
    Unsere unzähligen CDs haben wir vor einigen Jahren bei einem Sozialkaufhaus abgegeben – weil wir sie jahrelang nicht mehr genutzt hatten. Möglicherweise war das eine nicht ganz so gute Entscheidung. Aber egal, das ist nicht mehr zu ändern und hat vielleicht andere Menschen glücklich gemacht.
    Zu Deinem Gedanken des eigenen Servers: ließe sich das nicht vielleicht auch mit Plex oder emby realisieren?
    Liebe Grüße aus dem Weserbergland, Sascha

    1. Avatar von Liz1337

      Moin Sascha,
      Vinyls sehen zwar echt gut aus und machen auch was her, aber dafür fehlen mir Platz und Zeit. Allerdings habe ich fast alle meine CDs noch, wenn ich mich recht erinnere, habe ich, wenn dann nur Selbstgebranntes entsorgt. Und natürlich, nicht zu vernachlässigen meine MP3-Bibliothek, früher habe ich ja die Alben noch gerippt und dann schön mit Winamp abgespielt, während ich am PC saß bzw. auf meinem MP3-Player gehört. Das fühlt sich wirklich sehr weit weg an!
      Passenderweise hat mir MrKrid den Artikel https://stadt-bremerhaven.de/audiio-self-hosted-musikserver-setzt-auf-plugins/ empfohlen, der ebenfalls Plex, Jellyfin und PlexAmp erwähnt. Die muss ich mir dann wirklich alle mal anschauen, aber ich bin schonmal positiv überrascht, dass es verbreitet zu sein scheint, eine eigene Streaming-Bibliothek zu haben.
      Liebe Grüße aus Lübeck!

  2. Avatar von MrKrid

    Hallo,
    sehr interessante Sichtweise ist das. Tw aus Sicht der Streamingdienste krass, da kommt für den normalen Musiker kaum was rüber. Ich kaufe manchmal bei Bandcam direkt, zu mehr habe ich mich noch nicht entschließen können, das Streamen ist nicht so meins, liegt wohl auch am Alter 😉
    Wir haben etliche Vinyl im Schrank und eben so viele CDs, da habe ich was in der Hand.
    Einige schöne Platten sind als MP3 vorhanden, das reicht mir.
    Gruß aus Westfalen
    Dirk

    1. Avatar von Liz1337

      Moin Dirk,
      die meisten CDs habe ich auch noch, für Vinyl bin ich dann wohl doch zu jung bzw. um auf den Zug aufzuspringen, fehlen mir Platz und Zeit. Dabei gibt es einige Konzerte, auf denen es am Merchstand gar keine CDs, sondern nur noch Vinyls zu kaufen gibt. Und schick aussehen tun sie ja auch 😃. Aber das fange ich nicht an – allerdings habe ich halt auch noch meine MP3-Bibliothek, daher liegt das selbstgemachte Streaming schon nahe für mich.
      Und in Spotify bin ich während des Studiums bzw. der Arbeit so „reingerutscht“, das gibt’s ja auch als kostenlose Variante mit Werbung. Und einfach in schier endlose Alben reinhören können ist durchaus komfortabel – nur leider bringt’s den Künstlerinnen und Künstlern wenig bis sogar gar nichts – denn unter 1000 Streams im Monat vergütet Spotify überhaupt nicht.
      Viele Grüße aus Lübeck zurück

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