Als es im Herbst kälter und ungemütlicher wurde, habe ich mir Gedanken gemacht, inwiefern ich mein Rennradtraining nach Drinnen verlegen könnte. Es hatte keine hohe Priorität, da ich mit dem Rennradfahren kein konkretes Ziel verfolge, sondern es mir einfach Spaß macht und ich dadurch mehr Ausdauer aufbauen möchte, aber es kam mir doch immer wieder in den Sinn.
Deshalb habe ich Schritt für Schritt recherchiert und habe dabei einige Erkenntnisse gesammelt, die ich hier teilen möchte:
Um drinnen, also „auf der Stelle“ Fahrrad zu fahren, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder man verwendet ein dediziertes Trainingsgerät, oft Heimtrainer oder auch Ergometer genannt (der Begriff Ergometer ist allgemeiner und beschreibt nicht zwingend ein Fahrrad, sondern es kann zum Beispiel auch eine Rudermaschine sein):

Zumindest mir geht es so, dass ich diese Heimtrainer schon als Kind oft in Haushalten gesehen habe, wo sie aber hauptsächlich aus Wäscheständer dienten 😅.
Solche Heimtrainer gibt es auch in „sportlicher“, mit ähnlicher Sitzhaltung zum Rennrad. Dann heißen sie oft Speedbikes, was marketingtechnisch natürlich viel attraktiver klingt:

Alternativ zum Heimtrainer oder Speedbike kann man ein „richtiges“ Fahrrad, mit dem man eigentlich draußen fährt, in eine Aufhängung einspannen, sodass man auf der Stelle fahren kann. Dafür gibt es wiederum mehrere Varianten:
Preislich günstig und komfortabel ist ein Rollentrainer, der das Hinterrad in eine Aufhängung einspannt, sodass es nicht auf dem Boden, sondern an einer Rolle anliegt und man treten kann, ohne dass man nach vorne fährt:

Diese Variante ist schnell aufgebaut und man braucht statt eines ganzen Geräts lediglich den kleinen Rollentrainer, der deutlich weniger Platz wegnimmt, wenn man ihn (z.B. im Sommer) nicht verwendet. Zudem kann die kleine Rolle hinten, auf der das Hinterrad aufliegt, einen Widerstandmechanismus haben, mit dem man dann das Training variieren kann, indem man z.B. Bergauffahren simuliert.
Einen Schritt weiter gehen Rollentrainer mit Direktantrieb, bei denen das Hinterrad entfernt und die Kette des Fahrrads direkt in den Rollentrainer eingespannt wird:

Da dafür das Hinterrad ersetzt wird, nutzt man es im Betrieb nicht ab, außerdem sind sie durch das fehlende Schleifen des Schlauchs auf der Rolle zumeist etwas leiser. Ein weiterer Vorteil ist der einstellbare Widerstand, der elektronisch steuerbar ist und automatische Widerstandsänderungen zulässt. Zusätzlich sollen die gemessenen Watt-Angaben präziser als beim „Wheel-on“ Rollentrainer sein. Dafür muss man sich damit befassen, dass die Fahrradkette zum Ritzel des Rollentrainers passt und ggf. einen Adapter kaufen.
Und ganz wild finde zumindest ich persönlich die Variante „Fahrradrolle“, bei der das Fahrrad schlicht auf mehrere Rollen gestellt wird und man genau wie draußen fährt, also auch umkippen kann:

Das Fahrgefühl soll dabei am realistischsten sein, allerdings gibt es keine Widerstandseinstellungen und, wie gesagt, wird das Fahrrad durch nichts in Position gehalten.
Ich habe dann lange überlegt, welche Varianten für mich infrage kommen und welche rausfallen. Mir war sofort klar, dass die zuletzt genannte Fahrradrolle für mich nicht geeignet ist. Wenn ich schon Zuhause im Wohnzimmer Fahrrad fahre, will ich mir keine Gedanken machen, mich auf die Schnauze packen zu können.
Bei den anderen beiden Rollentrainer-Varianten überwogen für mich die Vorteile des Rollentrainers mit Direktantrieb, bei dem man das Hinterrad ausbaut. Für mich am relevantesten sind dabei der geringere Geräuschpegel und die feinere Einstellbarkeit des Widerstands. Ein bisschen Trainingsvarianz und Statistiken sollten ja auch dabei sein, ich will ja motiviert bleiben und Fortschritte sehen.
Dann stellte sich allerdings für mich die Frage, wie ich denn mein 20 Jahre altes Bottecchia-Rennrad mit einem solchen Rollentrainer verheiraten würde. Und da ging der Spaß dann los:
Viele Rollentrainer mit Direktantrieb sind so gestaltet, dass sie eine Kassette haben, in die man die Fahrradkette einspannt.

Das kann bedeuten, dass man die Kassette vom Hinterrad abbauen muss, worauf ich nur so mittelmäßig Lust habe. Deshalb habe ich überlegt, einfach eine zweite Kassette für den Rollentrainer zu kaufen. Allerdings habe ich eine 10-fach Campagniolo Veloce Schaltung mit 13-26 Kassette und sowas ist nicht mehr wirklich im Trend. Es würde wohl auch mit einer Schimano-kompatiblen Kassette gehen, und je nach Rollentrainer-Modell brauche ich dann noch einen Freilaufkörper. Hinzu kommt, dass die Schaltung trotzdem eingestellt werden muss, damit alles rund läuft.
Einfacher geht es, wenn man einen Rollentrainer mit „Zwift Cog & Click“ System nimmt. Dabei befindet sich statt einer Kassette ein oranger Aufsatz mit nur einem Ritzel am Rollentrainer (der „Cog“) und man schaltet nicht mehr mechanisch durch die Kassette, sondern rein elektronisch per Tastendruck an der Fernbedienung (dem „Click“).

Zwift ist dabei der Name des Herstellers und hier kommt das einzige Problem an dem sonst so komfortablen System: Um Cog & Click verwenden zu können, muss man eine Zwift-Mitgliedschaft abschließen und die liegt aktuell bei 19,99 € monatlich.
Dafür bekommt man eine Plattform, auf der man virtuell durch verschiedene Welten radeln kann, entweder einfach so, oder als Trainingseinheit oder Wettkampf und zudem mit Achievements, Level-Aufstiegen und kosmetischen Gegenständen. Absolute Gamification! Der springende Punkt fürs Training ist aber: Sobald in der virtuellen Welt ein Anstieg kommt, wird das Treten anstrengender, weil sich der Widerstand des Rollentrainers automatisch erhöht. Und dann kann man per Click entsprechend runterschalten, wodurch das Treten leichter wird, man allerdings auch langsamer vorwärtskommt – wie beim echten Radfahren halt.
Ohne Zwift-Mitgliedschaft kann man über andere Apps und Plattformen den Cog-Rollentrainer steuern und die Widerstände einstellen, allerdings kann man bisher den Click, also das Schalten per Fernbedienung, ausschließlich verwenden, wenn man die Zwift-App verwendet.
Da ich mit meinem Wahoo Roam Navi fürs Rad sehr zufrieden bin, habe ich nach der ganzen Recherche mit dem Wahoo KICKR CORE 2 geliebäugelt, wohlwissend, dass ich für meine 10-fach Schaltung eine andere Kassette einbauen müsste.

Allerdings habe ich mich auch gefragt, ob ich damit so glücklich werden würde, denn schließlich habe ich weiterhin grundlegend Probleme, wenn ich länger auf dem Rad sitze. Das Contessa auf Teneriffa fühlte sich viel, viel besser an, aber hier Zuhause habe ich aktuell nun mal nur mein Bottecchia-Rennrad.
Leicht beeinflusst durch positive Stimmen aus meinem direkten Umfeld habe ich dann eine weitere Variante in Betracht gezogen: das „Zwift Ride“ Indoor-Fahrrad. Von den beschriebenen Varianten passt es wohl am ehesten in die Kategorie Heimtrainer oder Speedbike, allerdings besteht das Zwift Ride aus einem Rollentrainer mit Direktantrieb plus smartem Rahmen inklusive Zwift Click-ähnlicher Fernbedienung am Lenker.

Der Rollentrainer ist sogar genau der Wahoo KICKR CORE 2, allerdings mit Cog-Aufsatz statt Kassette. Da es sich beim Zwift Ride um ein Komplettpaket handelt, biete es analog zu den Heimtrainern den Vorteil, dass man es aufbaut und es sofort einsatzbereit ist. Zudem ist es perfekt, falls mehrere Personen trainieren wollen, da es so konzipiert ist, dass Sattel und Lenker mit wenigen Handgriffen auf die jeweilige Körpergröße eingestellt werden können. Allerdings benötigt man auch beim Zwift Ride eine Zwift-Mitgliedschaft, um das Gerät vollumfänglich nutzen zu können.
Langer Rede kurzer Sinn, und auch um auf den Titel dieses Beitrags zurückzukommen: Ich habe mich fürs Zwift Ride Indoor-Rad entschieden 😎.
Ausschlaggebend war dabei für mich persönlich:
- Es soll eine der leisesten Varianten des Indoor-Radfahrens sein.
- Durch die kompakte Bauweise des Rahmens und das Fehlen beider Räder braucht es weniger Platz.
- Es ist ein Komplettpaket, das nur aufgebaut werden muss und einsatzbereit ist – ich muss keine Kassette finden, Schaltung einstellen o.ä.
- Mehrere Personen können damit trainieren – auf meinem Bottecchia mit 48 cm Rahmengröße dagegen praktisch nur ich.
- Das Schalten über den Lenker und die automatische Anpassung des Widerstands sind komfortabel und sorgen für Abwechslung.
- Gamification! Ja, ich gebe es zu, das war für mich auch ein Faktor. Schließlich soll das Training nicht langweilig sein, sondern Spaß machen. Man muss sich dabei im Klaren sein, dass das 20 € monatlich kostet (darauf gehe ich vielleicht nochmal in einem separaten Beitrag ein).

Nachdem die Entscheidung gefällt worden war, ging es an die Recherche für den besten Preis. Das ist allerdings nur sehr eingeschränkt möglich, denn zumindest aktuell gibt es das Zwift Ride ausschließlich in den Hersteller-Shops der Komponenten: Im Zwift EU Shop und im Wahoo Shop. Der Preis ist außerhalb von Rabattaktionen identisch, allerdings merkt man erst beim Bestellen, dass Versandkosten dazu kommen:
Im Wahoo Shop sieht man direkt auf der Produktseite, dass für den Zwift Ride noch 150,00 € Versandkosten anfallen, im Zwift Shop fehlt eine Angabe auf der Produktseite und man muss einen Zwift-Account erstellen und die Adresse im Warenkorb eingeben, um zu erfahren, dass der Versand bei Zwift 100,00 € kostet. Das sind schonmal 50 € Unterschied, was in meinen Augen nicht wenig ist.
Allerdings wird das Zwift Ride auch in drei großen, schweren Paketen mit Gesamtgewicht von knapp 50 kg versendet. Ein sperriges und schweres, aber immerhin flaches Paket für den Rahmen, ein recht normales und leichtes Paket für den Lenker und ein ähnlich großes, aber extrem schweres Paket für den Wahoo Rollentrainer.
In meinem Falle kam die Lieferung mit FedEx aus den Niederlanden und während es der Rahmen innerhalb von 4 Werktagen zu mir nach Hause geschafft hat, haben Lenker und Rollentrainer noch eine einwöchige Exkursion nach Süddeutschland gemacht, bevor sie eintrafen. Und dann meinte der Lieferant auch noch „Ich habe in den letzten Monaten hundert von diesen Dingern ausgeliefert“. Okay … wow.
Das Unboxing-Erlebnis war dagegen wunderbar. Das Rad ist perfekt verpackt, alles kam heile an, aber die Teile sind auch verdammt schwer. Dank Zwift Anleitungs-Videos ist der Aufbau einfach und schnell und dann konnte es direkt losgehen.
Mittlerweile steht das Rad schon ein paar Wochen hier und ich bin rundum zufrieden. Es ist schön leise, die Einstellung auf unterschiedliche Körpergrößen ist sehr simpel und ich habe gute Einstellungen gefunden, um so eine bis eineinhalb Stunden virtuell durch die Weltgeschichte zu radeln. Richtige Trainingseinheiten habe ich noch nicht ausprobiert, aber gerade arbeite ich noch an den letzten Etappen der „Tour de Zwift“, um mir ein paar kosmetische Artikel für meine Kleidung oder mein Rad zu verdienen 😄. Und Radfahren und dabei Fernsehen ist vor allem bei Schietwetter wirklich komfortabel.
Auf mein Hardware- und Software-Setup sowie ein paar Dinge, die ich dabei gelernt habe, gehe ich dann demnächst in einem eigenen Beitrag ein.
Anmerkung: Ich habe hier diverse Artikel verlinkt, um die verschiedenen Rollentrainer bildlich darzustellen. Das sind mit Absicht keine Affilate-Links und ich habe nichts davon, wenn sie jemand anklickt. Sie dienen nur der Referenzierung der Bilder und Produkte für meine Erklärungen. Auch von Zwift bekomme ich nichts für diesen Beitrag, er beschreibt schlichtweg meine persönliche und ungefragte Meinung 😉.
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